Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Risk2Return: Entwicklung und Erprobung einer Methodik zur Generierung und Identifizierung von High-Risk-High-Return Forschungs­projekten im Material-Kontext

Das Projekt …
… stellt eine Dienstleistung für die Mitgliedsinstitute dar.
… verankert die Auseinandersetzung mit High-Risk-High-Return-Forschung in den Institutskulturen.
… erweitert die Perspektive des Verbundes VWB um die Betrachtung des sozialen, technologischen, ökonomischen und politischen Umfelds.


Das Projekt entwickelt eine Methodik, die es den Instituten des Fraunhofer-Verbundes Werkstoffe, Bauteile-MATERIALS ermöglicht, unkonventionelle Forschungsperspektiven und Ideen jenseits des Mainstreams proaktiv und systematisch zu generieren und verdeckte Potenziale von Forschungsprojekten mit hohem Risiko zu identifizieren.


Ausgangsüberlegung des Projektes ist es, dass unkonventionelle Forschungsideen, die sich jenseits ausgetretener Pfade und etablierter Denkmuster bewegen, oft gar nicht erst in die ernsthafte Überprüfung hinsichtlich der damit einhergehenden Chancen gelangen. Dies liegt, wie die Innovationsforschung vielfach gezeigt hat, an einer Reihe von Filtern, unter denen Organisationen ihre Umgebung wahrnehmen (Ansoff 1984). Nicht nur beobachten wir die Umgebung unvollständig (Surveillance Filter), aufgrund von vorstrukturierten Interpretationsmustern und Sehgewohnheiten nehmen wir auch nur einen Teil der beobachteten Daten überhaupt wahr (Mentality Filter). Schlussendlich wird die Beurteilung der Relevanz des Beobachteten durch die Routinen der Organisation geprägt (Power Filter). Alle diese Mechanismen helfen einer Organisation, die Komplexität ihres Umfeldes zu reduzieren und strukturiert Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig vermindern sie jedoch die Fähigkeit, schnell auf Umfeldveränderungen zu reagieren, insbesondere wenn sich diese nur durch schwache Signale aus ungewohnten Richtungen bemerkbar machen.


In Zeiten rasant wachsender Dynamik technisch-gesellschaftlichen Wandels und turbulenter Umfeldbedingungen sind die vermeintlich wahrscheinlichen Szenarien, die die Rahmenbedingungen der Gegenwart lediglich fortschreiben, in Wirklichkeit äußerst fragil. Vor diesem Hintergrund haben Zukunftsforschung und Innovationsmanagement sich seit einiger Zeit verstärkt mit disruptivem Wandel auseinandergesetzt. Die auf Diskontinuität zielenden Ansätze sind zwar in der theoretischen Debatte von Zukunftsforschung und Foresight „en vogue“, die Umsetzung in praxistaugliche Konzepte für das Innovationsmanagement in Forschung und Entwicklung ist jedoch bisher ausgeblieben. Das Denken in "Multiplen Zukünften" und die Berücksichtigung unterschiedlicher Szenarien ist mittlerweile wichtiger Bestandteil des Innovationsmanagement. Diese Methoden zielen jedoch in der Regel darauf ab, Risiken auszuschalten oder zumindest zu reduzieren und eine möglichst große Sicherheit zu schaffen. Hohe Risiken verbunden mit großen Chancen werden im „Standard“-Innovationsmanagement nicht proaktiv angegangen und spezifisch adressiert.


Im Rahmen des Projektes werden Ansätze und Konzepte zur Integration disruptiven und diskontinuierlichen Wandels mit der Szenario-Methodik und Ansätzen aus dem Bereich der Kreativitätstechniken kombiniert. Die Szenariotechnik soll dabei als Ausgangspunkt dienen. Ziel ist es, durch die bewusste Reduzierung der Filterwirkung und die Integration von Wildcards, High-Risk-Szenarien zu entwerfen, mit deren Hilfe ein Risk2Return-Ideengenerierungs- und -bewertungs-Workshop durchgeführt wird.


Bereits vorliegende Umfeldszenarien werden hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Materialentwicklung und den Materialeinsatz untersucht. Parallel werden Einflussfaktoren mit hohem Risiko, die zu Umbrüchen im Materialbereich führen können, aus allen Bereichen des Umfelds (STEEP) herausgearbeitet. Auf dieser Basis wird ein Workshopkonzept entwickelt, das die spezifischen Besonderheiten von Forschungseinrichtungen berücksichtigt. Ziel ist es, die Machbarkeit des wissenschaftlichen Ansatzes zu klären und gleichzeitig einen wertvollen Mehrwert für das teilnehmende Institut zu generieren. Um die Ergebnisse des Vorhabens dem gesamten Verbund zur Verfügung zu stellen, werden die Ergebnisse und Erfahrungen dokumentiert. Insbesondere wird ein praxistauglicher Leitfaden zur Durchführung eines Risk2Return-Strategie-Workshops in Fraunhofer-Instituten erstellt. Auf Anfrage steht das Fraunhofer ISI für die Moderation und Durchführung dieser Strategie-Workshops zur Verfügung.


Laufzeit:
10/2009-03/2011

Auftraggeber:

FhG Verbund Materialien, Bauteile


Partner:
FhG Verbund Materialien, Bauteile