Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

EU-Pilotprojekt zur E-Partizipation: Hub Websites for Youth Participation (HuWY)

HuWY (Hub Websites for Youth Participation) ist ein EU-gefördertes Pilotprojekt im Bereich elektronischer Partizipation (E-Partizipation) von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Inhaltlich befasst sich das Projekt mit der politisch-regulatorischen Gestaltung und Weiterentwicklung des Internets und möchte dazu beitragen, die Sichtweisen einer wichtigen Nutzerpopulation zu diesem Themenbereich gegenüber politischen Entscheidungsträgern zu artikulieren. HuWY ist eines von 21 Pilotprojekten, welche gegenwärtig von der EU-Kommission im Rahmen ihrer eParticipation Preparatory Action gefördert werden. Neben Deutschland beteiligen sich drei weitere europäische Länder an HuWY: Estland, Großbritannien und Irland.


Das Neue an HuWY ist die dezentrale Struktur der parallel verlaufenden Online-Diskussionen: Im Gegensatz zu den meisten Online-Konsultations- und −Diskussionsprozessen finden im Rahmen von HuWY die Debatten unter den Teilnehmern nicht auf einer zentralen Online-Plattform statt, sondern die Diskussionen werden in weitgehender Eigenregie der beteiligten Jugendgruppen auf den Online-Plattformen ihrer Wahl (z. B. Internetseiten von Jugendorganisationen, Themengruppen in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ) durchgeführt. Es sind somit die Nutzer selbst, die die technische Infrastruktur und den Kontext für die Online-Diskussionen bestimmen und gestalten. Im Anschluss an die Diskussionsphase werden die dezentral erzeugten Ergebnisse auf den vier nationalen und einer europäischen Website – so genannte „Hubs“ – zusammengeführt. Die am Projekt beteiligten politischen Entscheidungsträger greifen die auf den Hubs präsentierten Forderungen auf, kommentieren diese und speisen sie ggf. in den politischen Prozess ein. Indem die Diskussionsergebnisse der vier beteiligten Länder auch auf einem europäischen Hub zusammengeführt werden, um die Entscheidungsträger auf der EU-Ebene zu adressieren und einzubinden, liefert HuWY einen Beitrag zur Schaffung einer europäischen politischen Öffentlichkeit.


Ziele und Durchführung


HuWY wird mit seinem dezentralen Ansatz Jugendliche und junge Erwachsene (16 bis ca. 24 Jahre) darin unterstützen, aktiv an der künftigen Gestaltung des Internets mitzuarbeiten. Die Teilnehmer entscheiden entsprechend ihrer Interessen, Wünsche und Erfahrungen selbst über die Auswahl und Konkretisierung der Diskussionsgegenstände. Mögliche Themen könnten sein:


  • Anonymität, Identität und Datenschutz
  • Zensur und Meinungsfreiheit
  • Copyright, DRM und file-sharing
  • Cyber-Mobbing

Auf den nationalen Hub-Webseiten wird den Jugendlichen umfangreiches Hintergrundmaterial sowohl zum breiten Themenkreis Internet und dessen politisch-rechtliche Gestaltung als auch zu den Institutionen, die für die Regulierung des Internets zuständig sind, bereitgestellt. Um die interessierten Jugendgruppen auf die eigentliche HuWY-Diskussionsphase vorzubereiten sowie inhaltliche, prozedurale und technische Fragen zu klären, werden darüber hinaus in allen vier Pilotländern mehrere Workshops für die Vertreter der Jugendgruppen durchgeführt. Zudem stehen die HuWY-Partner den beteiligten Jugendlichen per Email und Telefon während des gesamten Pilotprojekts für Fragen zur Verfügung.


Die wissenschaftlich-technische Kompetenz der Projektpartner im Bereich Internet und E-Partizipation wird ergänzt um die zielgruppenspezifische Perspektive von erfahrenen Organisationen wie Youth Work Ireland oder Jugendpresse Deutschland e. V., die HuWY beratend zur Seite stehen.


Mit dem Pilotprojekt sollen empirische Erfahrungen über die Stärken und Schwächen dieses dezentralen Online-Diskussionsansatzes, die E-Partizipationsmuster der Zielgruppe, die adäquaten sozio-technischen Anwendungen sowie die Einbindung der politischen Entscheidungsträger gesammelt werden, die zur Weiterentwicklung und ggf. Übertragung des innovativen Konzepts auf andere Themen und Zielgruppen genutzt werden können. Letztlich steht dabei die Frage im Vordergrund, wie internetbasierte Beteiligungsprozesse gestaltet sein sollten, damit sie effektive E-Partizipation auf nationaler und europäischer Ebene fördern und eine komplementäre Anbindung an etablierte repräsentativ-demokratische Verfahren und Institutionen ermöglichen.


Projektkonsortium
Das wissenschaftlich-technische Kernteam von HuWY setzt sich neben dem Fraunhofer ISI aus fünf weiteren international renommierten Partnern zusammen:


  • International Teledemocracy Centre (ITC), Edinburgh Napier University, Großbritannien (Projektkoordination)
  • Queens University of Belfast, Großbritannien
  • Letterkenny Institute of Technology (LYIT), Irland
  • University of Tartu, Estland
  • DogDigital, Glasgow, Großbritannien

Zudem sind in allen vier Pilotländern politische Entscheidungsträger als Adressaten sowie Jugendorganisationen als Beratungsinstanzen in das Projekt eingebunden. 


HuWY lädt alle Jugendgruppen, Vereine und Initiativen, die Interesse an politischen Themen rund um das Internet haben und die die Idee der E-Partizipation aktiv unterstützen wollen, ein, sich an den Online-Diskussionen zu beteiligen. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten unter: http://www.huwy.eu
 
Status:
Beginn: 02/2009, Ende: 01/2011


Auftraggeber:
EU-Kommission


Partner:

  • International Teledemocracy Centre (ITC), Edinburgh Napier University, Großbritannien
  • Queens University of Belfast, Großbritannien
  • Letterkenny Institute of Technology (LYIT), Irland
  • University of Tartu, Estland
  • DogDigital, Glasgow, Großbritannien

 

Publikationen:

Taylor-Smith, E.; Lindner, R. (2010): “Social Networking Tools Supporting Constructive Involvement throughout the Policy-Cycle”, in: Prosser, A.; Parycek, P. (eds.): EDEM 2010 – Conference on Electronic Democracy 2010. Proceedings of EDEM 2010, May 6-7, 2010, Krems a.d. Donau, S.331-338.

Taylor-Smith, E.; Lindner, R. (2009): “Using Social Networking Tools to Promote E-Participation Initiatives”, in: Prosser, A.; Parycek, P. (eds.): EDEM 2009 – Conference on Electronic Democracy 2009. Proceedings of EDEM 2009, September 7-8, 2009, Vienna, S. 115-130.