Projekt
Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI
Szenario zur Digitalisierung des deutschen Kabelfernsehnetzes
Tatsächlich kommt der Prozess der Digitalisierung im deutschen Kabel aber seit Jahren nicht voran. Strukturelle Eigenheiten des deutschen Kabelmarktes, Eigentümerwechsel bei den großen Netzbetreibern und unterschiedliche Strategien der Marktakteure haben bisher eine weitergehende Digitalisierung verhindert. Man kann gar von einem „Knoten im Kabel“ sprechen, der verhindert, dass das technische Potenzial dieser Infrastruktur ausgeschöpft wird. Für die Netzbetreiber besteht die akute Gefahr, bei der Rundfunkübertragung und bei den neuen Diensten ins Hintertreffen zu geraten. Dies wird insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Erfolgs des digitalen Satellitenfernsehens, der zunehmenden Konkurrenz des terrestrischen digitalen Fernsehens (DVB-T) und der rasanten Verbreitung von DSL über das Telefonfestnetz deutlich.
Wie der Knoten im Kabel möglicherweise gelöst werden kann und welche Rolle die Politik dabei spielt, wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit und in Zusammenarbeit mit dem Hans-Bredow-Institut untersucht.
Aufgabe war es, in einer marktnahen Studie die wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zu einem digitalen Kabelfernsehnetz aufzuzeigen, die aktuellen Konfliktlinien zu skizzieren und Wege zu einer neuen digitalen Angebotsvielfalt aufzuzeigen.
Mit Hilfe eines speziellen Szenario-Ansatzes wurden sechs Schritte für die Digitalisierung herausgearbeitet und aufgezeigt, welche alternativen Entwicklungsverläufe sich ergeben können. Auf dem Weg zu einer vollständigen Digitalisierung müssen demnach sechs Fragen geklärt werden:
- Die Boxenfrage: Zapping-Box, voreingestelltes Verschlüsselungssystem oder Common-Interface?
- Die Verschlüsselungsfrage: Schneller Aufbau einer Pay-Plattform vs. Einstieg in eine frei empfangbare Digitalvielfalt?
- Der Netzausbau: TV-zentriert vs. Internet-orientiert?
- Netzebene 3 und 4-Kooperationen: Vermarktung vs. Durchleitung neuer Angebote?
- Neue Inhalte, neue Anbieter: Vervielfachung des Bekannten oder Entstehen einer neuen Vielfalt?
- Dauer des Simulcasts: Forcierter Umstieg vs. „Endlos“-Simulcast?
Status:
Abgeschlossenes Projekt (2004 - 2005)
Auftraggeber:
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Berlin
Partner:
Hans-Bredow-Institut für Medienfoschung, Hamburg
Publikationen:
Beckert, B; Schulz, W; Zoche, P.; Dreier, H. (2005): Die Zukunft des deutschen Kabelfernsehnetzes. Sechs Schritte zur Digitalisierung. Heidelberg: Physica.